Von Kenia nach Wunsiedel: Wilson Ngunjiri über sein Praktikum am UBT Future Energy Lab Wunsiedel

Für sein dreimonatiges Praktikum kam Wilson Ngunjiri aus Kenia nach Wunsiedel. Der Student der Erneuerbaren Energien und Umweltphysik an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT) interessiert sich besonders für Wasserstofftechnologien aus erneuerbaren Energien, Waste-to-Energy-Systeme und die Rolle innovativer Technologien bei der Gestaltung der Energiezukunft.

Im Interview berichtet er, wie er auf das UBT Future Energy Lab Wunsiedel (FEL) aufmerksam wurde, warum er sich für Deutschland entschieden hat und welche Erfahrungen er während seines Praktikums gesammelt hat.

Wilson, erzähl uns etwas über dich. Woher kommst du und wie sieht dein akademischer Werdegang aus?

Mein Name ist Wilson Ngunjiri. Ich komme aus Kenia und studiere im letzten Jahr meines Bachelorstudiums Erneuerbare Energien und Umweltphysik an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT).

Meine Interessensschwerpunkte liegen in den Bereichen grüne Wasserstofftechnologien, Waste-to-Energy-Systeme sowie der Vierten Industriellen Revolution. Besonders fasziniert mich, wie diese Technologien dazu beitragen können, eine Wirtschaft auf Basis sauberer Energieträger in Afrika aufzubauen und schwer zu dekarbonisierende Sektoren bei der Transformation zu unterstützen.

„Ich möchte die Entwicklung sauberer Energielösungen in Afrika aktiv mitgestalten.“

Wie bist du auf das UBT Future Energy Lab aufmerksam geworden?

Zum ersten Mal bin ich während des Future Energy Concept Seminars in Deutschland im Jahr 2025 auf das FEL aufmerksam geworden, an dem ich teilgenommen habe. Das Seminar wurde von BBW International organisiert und bot mir spannende Einblicke in die Forschungsaktivitäten und den innovationsorientierten Ansatz des UBT Future Energy Lab Wunsiedel.

Die dort vorgestellten Projekte und Themen haben mein Interesse geweckt und mich schließlich dazu motiviert, mich für das Praktikum zu bewerben.

Warum wolltest du Teil unseres Teams werden?

Die Teilnahme am Seminar gab mir die Möglichkeit, zu erleben, wie innovative Ideen in die Praxis umgesetzt werden. Besonders begeistert hat mich das Reallabor-Konzept, da es Forschung, Erprobung und Zusammenarbeit fördert und gleichzeitig den Transfer von Ideen in konkrete Anwendungen ermöglicht.

Dadurch wurde mir bewusst, dass das FEL das ideale Umfeld ist, um mich fachlich und persönlich als angehende Fachkraft im Energiesektor weiterzuentwickeln. Ich wollte Teil eines interdisziplinären Teams werden, in dem ich eigene Ideen einbringen und gleichzeitig von Expertinnen und Experten lernen kann, die an zukunftsweisenden Technologien wie Brennstoffzellen, Wasserstoffanwendungen und synthetischen Kraftstoffen wie e-SAF arbeiten.

Warum hast du Deutschland für dein Praktikum ausgewählt?

Ich habe mich aus drei Gründen für Deutschland entschieden.

Erstens gilt Deutschland als einer der weltweit führenden Standorte für erneuerbare Energien, grünen Wasserstoff, anwendungsorientierte Forschung und industrielle Innovationen. Zweitens wollte ich aus erster Hand erleben, wie innovative Ideen den Weg von der Forschung über Pilotprojekte bis hin zur praktischen Anwendung finden. Drittens bot mir dieses Praktikum eine hervorragende Grundlage für mein geplantes Masterstudium der Energietechnik an der Universität Bayreuth.

Ich bin überzeugt, dass die Kenntnisse, Erfahrungen und beruflichen Kontakte, die ich während meines Aufenthalts in Deutschland gewonnen habe, mir dabei helfen werden, die Entwicklung sauberer Energielösungen in Deutschland, Kenia und darüber hinaus in ganz Afrika mitzugestalten.

„Ich möchte die Erfahrungen und Kontakte aus Deutschland nutzen, um die Entwicklung sauberer Energielösungen in Kenia und ganz Afrika mitzugestalten.“

Woran hast du während deines Praktikums gearbeitet?

Während meines Aufenthalts konzentrierte sich meine Arbeit auf zwei zentrale Aufgabenbereiche.

Zum einen entwickelte ich Konzepte für die internationale Zusammenarbeit zwischen Kenia und Deutschland im Bereich zukunftsweisender Energietechnologien. Zum anderen arbeitete ich technische Projektvorschläge für Wasserstoff-Testinfrastrukturen aus. Dazu gehörten sowohl die Entwicklung technischer Konzepte als auch die Erarbeitung möglicher Umsetzungsansätze.

Was hast du am FEL gelernt?

Während meines Praktikums am Future Energy Lab konnte ich sowohl meine technischen Kenntnisse als auch meine Forschungs- und Fachkompetenzen weiterentwickeln.

Aus technischer Sicht habe ich Wissen im Bereich der elektrochemischen Wasserstoffverdichtung (Electrochemical Hydrogen Compression, EHC) erworben und ein tieferes Verständnis für den Betrieb von Elektrolyseuren entwickelt. Dabei habe ich gelernt, wie sich Schwankungen bei erneuerbaren Energien auf deren Leistung auswirken können und welche Optimierungsstrategien dabei helfen, diese Effekte zu minimieren. Außerdem habe ich mich mit Wasserstoffverdichtungstechnologien und ihrer Rolle innerhalb von Wasserstoffsystemen beschäftigt. Darüber hinaus konnte ich Erfahrungen in der Modellierung von Wasserstoffsystemen sammeln und ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie die verschiedenen Komponenten eines Wasserstoffsystems miteinander interagieren.

Auch im wissenschaftlichen und beruflichen Bereich konnte ich wichtige Kompetenzen weiterentwickeln. Durch die Sichtung, den Vergleich und die Auswertung wissenschaftlicher Literatur habe ich meine Forschungs- und Analysefähigkeiten gestärkt und gelernt, technische Fragestellungen systematisch zu bearbeiten. Gleichzeitig konnte ich meine Präsentationsfähigkeiten sowie meine Fähigkeit, komplexe technische Inhalte verständlich zu vermitteln, weiter ausbauen. Zudem habe ich einen strukturierteren Ansatz entwickelt, um Forschungslücken zu identifizieren und daraus mögliche Projekte oder Forschungsfragen abzuleiten.

Wie hat dein Praktikum deinen weiteren Karriereweg beeinflusst?

Das Praktikum hat mir ein deutlich tieferes Verständnis von Wasserstoffsystemen vermittelt und gezeigt, wie einzelne Komponenten innerhalb des gesamten Wasserstoffökosystems zusammenwirken und ineinandergreifen. Darüber hinaus erhielt ich Einblicke in praktische Forschungsherausforderungen, die weit über die Inhalte eines regulären Studiums hinausgehen.

Diese Erfahrung hat mein Interesse an Wasserstoff- und Energietechnologien weiter gestärkt und den Grundstein für mein geplantes Masterstudium in diesem Bereich gelegt.

Wenn du auf deine Zeit am FEL zurückblickst: Welche abschließenden Gedanken möchtest du mit uns teilen?

Rückblickend bin ich überzeugt, dass der Reallabor-Ansatz einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung realer Herausforderungen im Energiesektor leisten kann. Die Möglichkeit, an praktischen Fragestellungen zu arbeiten und Lösungsansätze über die Grenzen des Studiums hinaus zu entwickeln, hat meine Zeit am Future Energy Lab besonders wertvoll gemacht.

Ich habe es sehr geschätzt, Teil eines Umfelds zu sein, in dem ich mich mit komplexen Fragestellungen auseinandersetzen, Fragen stellen und von den vielfältigen Projekten innerhalb des Labs lernen konnte. Besonders dankbar bin ich dem gesamten FEL-Team für seine Offenheit und die Bereitschaft, Wissen und Erfahrungen zu teilen.

Das Praktikum war ein wichtiger Schritt für meine persönliche und berufliche Entwicklung, und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, Teil des UBT Future Energy Lab Wunsiedel gewesen zu sein.

Wir danken Wilson für die bereichernde Zusammenarbeit und seine wertvollen Impulse während seines Praktikums am UBT Future Energy Lab Wunsiedel. Für seinen weiteren beruflichen und persönlichen Weg wünschen wir ihm viel Erfolg und alles Gute! Wir sind gespannt auf seinen weiteren Weg und werden ihn gerne weiter begleiten.