ROTOR startet: Industrielle Abwärme für Wärmenetze nutzbar machen

Forschungsprojekt demonstriert erstmals die Integration einer Rotationswärmepumpe in ein bestehendes Wärmesystem und entwickelt übertragbare Lösungen für weitere Anwendungen

Wunsiedel/Pegnitz, September 2026. Zum 1. Juli 2026 ist das neue Forschungsprojekt ROTOR gestartet. Im Mittelpunkt des dreijährigen Verbundvorhabens steht die Integration einer Rotationswärmepumpe in ein bestehendes industrielles Wärmesystem. Ziel ist es, bislang ungenutzte Abwärme für die Wärmeversorgung nutzbar zu machen und dadurch den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren. Am 9. September kamen die Projektbeteiligten zum gemeinsamen Kick-off-Meeting bei der KSB SE & Co. KGaA in Pegnitz zusammen.

Die Projektbeteiligten beim Kick-off des Forschungsprojekts ROTOR am 9. September 2026 bei KSB in Pegnitz.

„Mit ROTOR zeigen wir, wie industrielle Abwärme künftig effizienter genutzt werden kann. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie ist dabei der Schlüssel für erfolgreiche Innovationen“, sagt Dr.-Ing. Theresa Weith, COO und Prokuristin der UBT Future Energy Lab Wunsiedel GmbH.

Industrielle Abwärme auf einem höheren Temperaturniveau nutzbar machen

Industrielle Wärmenetze werden häufig mit hohen Vorlauftemperaturen betrieben und überwiegend durch fossile Energieträger versorgt. Gleichzeitig fällt in vielen Industriebetrieben Abwärme an, deren Temperaturniveau für eine direkte Nutzung nicht ausreicht. Konventionelle Wärmepumpen können diese Potenziale aufgrund der erforderlichen hohen Temperaturhübe bislang nur eingeschränkt erschließen. Hier setzt ROTOR an.

Am Standort von KSB in Pegnitz wird eine Rotationswärmepumpe erstmals in ein bestehendes industrielles Wärmesystem integriert und unter realen Betriebsbedingungen demonstriert. Die Anlage soll volatile Abwärme aus der Gießerei auf das erforderliche Temperaturniveau des Wärmenetzes anheben. Ein Pufferspeicher unterstützt dabei die zeitliche Entkopplung zwischen dem schwankenden Angebot an Abwärme und dem Wärmebedarf.

Reale Betriebsdaten als Grundlage für die Systemoptimierung

Das UBT Future Energy Lab Wunsiedel (FEL) übernimmt im Projekt die Analyse und Modellierung des Gesamtsystems. Dazu gehören neben der Rotationswärmepumpe auch der Speicher und die bestehenden Wärmeerzeuger. Auf Grundlage technischer Systemdaten wird ein Simulationsmodell entwickelt und anschließend mit realen Messdaten aus dem Anlagenbetrieb validiert.

Mithilfe des Modells werden unterschiedliche Betriebsstrategien untersucht sowie ökonomische und ökologische Optimierungspotenziale bewertet. Auf diese Weise sollen belastbare Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie die Rotationswärmepumpe möglichst effizient in das industrielle Wärmesystem eingebunden und betrieben werden kann.

Übertragbare Lösungen für weitere industrielle Anwendungen

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Übertragbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse. Auf Basis des validierten Modells werden Methoden zur Potenzialabschätzung und Konzepte für die Integration von Rotationswärmepumpen in weitere industrielle Anwendungen entwickelt. Dabei werden unter anderem unterschiedliche Temperaturniveaus, Abwärmeprofile, Lastverläufe und Wärmenetzstrukturen berücksichtigt.

Am Verbundprojekt beteiligt sind die KSB SE & Co. KGaA, die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und die UBT Future Energy Lab Wunsiedel GmbH. Das Institut für Entrepreneurship & Innovation der Universität Bayreuth ist im Unterauftrag des FEL eingebunden. Als assoziierte Partner begleiten VDMA Power Systems, die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. und die ecop Technologies GmbH das Projekt.

Das Projekt läuft vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2029 und wird im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Gesamtförderung des Verbundvorhabens beträgt 1,32 Millionen Euro. Projektträger ist der Projektträger Jülich.

„Mit ROTOR untersuchen wir nicht nur eine innovative Wärmepumpentechnologie, sondern ihr Zusammenspiel mit einem komplexen industriellen Wärmesystem. Durch die Verbindung von realer Demonstration, Messdaten und Simulation wollen wir belastbare Erkenntnisse für einen effizienten Betrieb gewinnen und daraus übertragbare Lösungen für weitere industrielle Anwendungen entwickeln“, erklärt Dr.-Ing. Marco Griesbach, Leiter Technologische Forschung und Entwicklung am FEL.

Kontakt:
UBT Future Energy Lab Wunsiedel GmbH
Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Geschäftsführer
E-Mail: dieter.brueggemann@fel-wunsiedel.de