MultiMeter startet: Datenbasierte Modelle für moderne kommunale Energiesysteme

Forschungsprojekt entwickelt KI-basierte Lösungen für effizientes Energiemanagement und Netzstabilität

Wunsiedel, Januar 2026. Die sichere und kostengünstige Bereitstellung von Energie ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Sie erfordert nicht nur den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch intelligente Lösungen, um Energie effizient zu nutzen und Netze stabil zu halten. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt MultiMeter an: Mit innovativen Technologien und praxisnahen Demonstratoren sollen Kommunen und Netzbetreiber befähigt werden, Flexibilitäten im Energieverbrauch zu erkennen und aktiv zu nutzen. Zum Projektauftakt haben sich die Projektpartner am UBT Future Energy Lab Wunsiedel (FEL) getroffen. Das Projekt wird über drei Jahre hinweg von einem starken Konsortium aus Forschung, Wirtschaft und kommunalen Partnern umgesetzt.

Das Projektteam bei der Führung durch den Energiepark Wunsiedel.

Mehr Flexibilität im kommunalen Energiesystem

Die Energiewende betrifft nicht nur große Industrieunternehmen, sondern vor allem auch Städte, Gemeinden und ländliche Regionen. Dort fehlen bislang Konzepte, um energetische Flexibilitäten zu nutzen – obwohl gerade diese Gebiete zunehmend mit volatilen Komponenten wie Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur ausgestattet werden. MultiMeter schließt diese Lücke: Durch die Entwicklung energieträgerübergreifender Verbrauchsprofile für öffentliche Liegenschaften können Potenziale zur Lastverschiebung identifiziert und genutzt werden. Das bedeutet: Kommunen können ihre Energieversorgung optimieren, Kosten senken und gleichzeitig einen aktiven Beitrag zur Netzstabilität leisten. Damit wird die Energiewende nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich attraktiv.

Projektziele und gesellschaftlicher Nutzen

MultiMeter verfolgt das Ziel, Kommunen und Netzbetreibern Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihre Energieversorgung zukunftssicher und effizient gestalten können. Öffentliche Liegenschaften sollen energieoptimiert betrieben werden, ohne dass teure Umbaumaßnahmen notwendig sind. Gleichzeitig trägt das Projekt dazu bei, die Netzstabilität auch in Regionen ohne große Industrie sicherzustellen: Durch die Nutzung bereitgestellter Flexibilitäten können Engpässe vermieden und das Stromnetz zuverlässig betrieben werden. Davon profitieren auch Verbraucherinnen und Verbraucher, denn die netzstabilisierende Wirkung reduziert Eingriffe nach §14a EnWG und entlastet Haushalte mit atypischen Lasten wie Wallboxen. Darüber hinaus leistet MultiMeter einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele 2045, indem es die Gesamteffizienz des Energiesystems verbessert und die Mission „Energiesystem 2045“ unterstützt.

Die Ergebnisse werden über die öffentliche MultiMeter-Plattform bereitgestellt – als Werkzeuge, Leitfäden und praxisnahe Lösungen für Kommunen, Netzbetreiber und Energieagenturen.

Drei Demonstratoren – Praxisnahe Umsetzung

Das UBT Future Energy Lab Wunsiedel (FEL) übernimmt die Koordination des Projekts und verantwortet gemeinsam mit dem assoziierten Partner SWW Wunsiedel GmbH einen der drei Demonstratoren. In Wunsiedel wird ein definierter Netzbereich untersucht, der Strom- und Wärmenetze umfasst und einen hohen Autarkiegrad erreichen kann. Hier werden unter anderem ein Tageszentrum, ein Kindergarten und eine Kindertagesstätte analysiert – mit dem Ziel, innovative Steuerungskonzepte zu entwickeln, die Wärme- und Stromnetze optimal miteinander verzahnen. Dieser Demonstrator zeigt, wie sich Flexibilitäten praktisch nutzen lassen und wie Kommunen durch intelligente Lösungen ihre Energieversorgung zukunftssicher gestalten können.

Ein weiterer Demonstrator wird von der Stadtverwaltung Wuppertal umgesetzt. Hier werden Mess- und Metadaten mehrerer Liegenschaften genutzt, um eine umfangreiche Analyse und Profilbildung für unterschiedliche Gebäudetypen und Nutzungen zu ermöglichen. Zusätzlich wird eine ausgewählte Liegenschaft – beispielsweise eine Kindertagesstätte – mit präziser Messtechnik und Aktorik ausgestattet, um eine sogenannte Closed-Loop-Optimierung im Echtbetrieb zu realisieren.

Der dritte Demonstrator entsteht in Kooperation der Sächsischen Energieagentur SAENA GmbH mit einem Verteilnetzbetreiber im ländlichen Raum. Ziel ist es, das Stromnetz mithilfe von Messungen und Optimierungsalgorithmen im Betrieb zu überwachen und Flexibilitäten zu identifizieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Blindleistungskompensation und der Bewertung von Engpässen, die durch kommunale Liegenschaften entstehen können.

Starkes Konsortium aus Forschung, Wirtschaft und Kommunen

Zusammen mit dem Projektträger Jülich vereint das Projektteam Expertise aus Forschung, Wirtschaft und kommunaler Praxis und setzt sich zusammen aus der UBT Future Energy Lab Wunsiedel GmbH (FEL), der Stadt Wuppertal (GMW), der Sächsischen Energieagentur – SAENA GmbH (SAENA), dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITMW), der TU Dortmund – ie3 (IE3), den Energie- und Softwareunternehmen IngSoft GmbH (ISO), logarithmo GmbH & Co. KG (LOG) und der Mako Software GmbH (MAKO) sowie der SWW Wunsiedel GmbH (SWW) als assoziierten Partner.

„Mit MultiMeter schaffen wir die Grundlage für ein intelligentes Energiemanagement, das Kommunen und Netzbetreibern neue Handlungsspielräume eröffnet. Unsere Demonstratoren zeigen, wie sich sektorübergreifende Flexibilitäten praktisch nutzen lassen – ein wichtiger Schritt für die Energiewende“, so Dipl.-Ing. Gerhard Meindl, Projektkoordinator am FEL.

Ausblick

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt läuft drei Jahre und ist Teil des 8. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung. Es adressiert den Förderbereich Stromnetze und Stromspeicher. Die Projektpartner werden regelmäßig über Fortschritte berichten und die Ergebnisse über die öffentliche MultiMeter-Plattform bereitstellen. Diese Plattform dient als zentrale Anlaufstelle für Daten, Werkzeuge und Leitfäden und ermöglicht den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis. „Damit ist MultiMeter nicht nur ein Forschungsprojekt, sondern wird zu einem Impulsgeber für die Energiezukunft in ganz Deutschland“, unterstreicht Professor Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Leiter des FEL

Kontakt:
UBT Future Energy Lab Wunsiedel GmbH
Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, Geschäftsführer
E-Mail: dieter.brueggemann@fel-wunsiedel.de